sEs war eine wunderbare Szene. Eine von denen, in denen man die ganze Welt umarme könnte, weil man den Schlüssel zu einerm Herzen gefunden hat.
Da ist ein Platz in meiner Klasse, der jeden Tag leer bleibt. "Gino" steht darüber. Wie oft ich diesen Gino schon gesehen habe? Vielleicht drei Mal.
Aber heute in der Mensa, wie spielten gerade ein Spiel (wem mehr Wörter mit demselben Anfangsbuchstaben einfallen) gesellte er sich zu uns. Er scheint stets etwas abwesend, nichts dringt wirklich zu ihm durch. Doch heute, beim Spielen, strahlte sein Gesicht auf, öffnete sich sein Blick bei jedem Wort, das er wusste. Ich war verblüfft über den Wortreichtum, den er an den Tag legte. Anschließend gingen wir noch zusammen Hände waschen und als ich seine kleinen Hände zusammen mit meinen einseifte, bildete er plötzlich mit erstaunlichem Geschick, das auf einige Übung schließen ließ, einen Hohlraum mit der Hand und ließ eine riesige Seifenblase steigen. Als er mein Erstaunen sah, leuchtete sein Gesicht abermals auf.
Hand in Hand gingen wir zu Tisch und ich wusste, ich hatte einen Freund gewonnen.
Für alle meine Freunde, Familie, Spender, Interessierte an ADRA und seinen Projekten und jeden, der sonst noch wissen möchte, wie es jemandem geht, der nach der Schule seine Koffer packt und elf Monate lang 10200 Kilometer von zu Hause entfernt in einem wunderschönen Projekt ein FSJ machen darf...
Was tue ich?
Die Kinder, die ich dort unterrichten und lieb haben darf, sind ehemalige Straßenkinder im Alter von drei bis sechzeh Jahren.
Als eine von insgesamt 17 Freiwilligen, die ADRA live dieses Jahr in verschiedene Länder entsendet, habe ich nun die Möglichkeit, von meinem Überfluss abzugeben und durch meine Zeit und meine Kraft das Projek zu unterstützen und mitzuhelfen, dass Menschen wieder hoffen können.
Samstag, 4. Oktober 2014
Gino
Jessa
"I love to sing for God!"
Sie schaut hinauf zu den Sternen. Den Kopf in den Nacken gelegt, die kleine Hand in meiner, genießen Jessa und ich den angenehm warmen Abend. Wir spazieren langsam über das Gelände und betrachten den Nachthimmel. Die Luft ist angenehm, die Bullfrösche haben noch nicht angefangen zu schreien und alles, was man hört, sind Grillen und ab und an die Straße, auf der ein Tricycle vorbeiknattert, oder einer von den unzähligen Mitsubishi-, Toyota-, oder Hyundaivans über unsere Bodenwellen holpert.
Neben einem schlanken Baum bleiben wir stehen. Ins völlige Schweigen platzt Jessa plötzlich: "Look at the beautiful stars! God created them all!"
Ich bin völlig perplex. Mit den Gedanken an meine verstorbene Großtante, den Urlaub meiner Eltern und all den anderen Neuigkeiten, die ich kurz zuvor aus dem Internet gezogen hatte, beschäftigt, überraschte mich dieser Satz plötzlich so sehr. "Yes, you are right-He did that!", sage ich, überwältigt von dem einfachen Glauben dieses Kindes. Gleich danach folgt dieser eingangs erwähnte Satz. Wir stehen und schweigen und starren in den Himmel hinauf. Und dann fängt sie an zu singen. Wir singen gemeinsam.
Was kümmert mich jetzt das Penzberger Volksfest, die 70 bis 200 Asylanten, die meine Stadt aufnehmen wird, oder meine Theatergruppe, die es in Erwägung zieht, Lysistrate zu inszenieren. Was zählt, als allein dieser Moment? Als allein zu leben?
Als allein der Augenblick hier?
Donnerstag, 25. September 2014
Hier bin ich... In Manila...
Es gibt ein wunderbares Lied, das meine Betrachtungen über die Prozedur zur Visumsverlängerung, die wir gestern über uns ergehen lassen mussten, bestens ersetzt....Es ist leider etwas länger und deshalb will ich nur noch vorausschicken- sooo schlimm wars gar nicht- vor allem die vielen verschiedenen wunderschönen Pässe aus aller Herren Länder haben es mir absolut angetan!!!
Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars: http://youtu.be/Q52OcNr92fo
Montag, 22. September 2014
Field trip...
Es ist heiß. Es ist klebrig. Es ist schmerzhaft.
Aber in keiner Sekunde bereue ich es. Ich sitze mit zweiundzwanzig Kindern und drei Erwachsenen in unserem geliebten Minibus, in dem wir schon so viele wundervolle Stunden verbracht haben. Wir fahren auf Klassenfahrt. Dicht an dicht drängen sich die kleinen verschwitzten Leiber aneinander und die Klimaanlage, die uns sonst regelmäßig einen Hinrfrost verpasst, kommt gegen die gesteigerte Zellatmung in diesem Vehikel nicht an.
Auf der Hinfahrt hatte ich unser, von allen Seiten mit Liebe vollgestopftes Baby auf dem Schoß. Der Kleine war aber sehr genügsam und ist nach wenigen Kilometern aufrecht an mein Brustbein gelehnt weggeratzt. Die Rückfahrt war da schon spannender.
Fest und unangenehm gegen die Heckklappenverriegelungsmechanik gedrückt, schläft eine süße Rechamay auch noch mit dem Schädelknochen genau auf mein Schlüsselbein drückend, auf meinen linken Bein. Mittig, zwischen den Waden am Boden klemmt Hanna und auf dem rechten Oberschenkel liegt zusammengeklappt Nenen. Es ist heiß, es ist klebrig, es ist schmerzhaft. Ich kann mich kaum bewegen, döse selbst, halte aber bei jeder Bodenwelle und Unebenheit reflexartig sämtliche (vor allem Rechamays) Köpfe fest. Diese schlafenden Bündel, und kaum mehr sind sie, die wie die Kinder auf den Plastikstühlen im Mittelgang, nichts und niemanden zu bemerken scheinen, so klein und unbeholfen, aber so voller Leben, so wertvoll; sie lassen mein Herz hüpfen, meine Nasenspitze kribbeln und meine Augen lächeln...