Die Morgensonne bricht sich im Wasser, malt Streifen und kleine Wellen auf die Oberfläche und lässt die schwarzen Kinderhaare aussehen, als wären sie mit einem feinen Perlennetz überzogen. Das türkisblau des Pools im Kontrast zu den schwarzen Haaren und bunten Schwimmsachen und dann der gedeckte sandfarbene Stein der Einfassung geben ein malerisches Bild. Hier macht ein Kind einen Salto ins Wasser, dort springt ein eines mit Anlauf über ein anderes. Ihr kleiner Schwimmchampion brauchte heute 19 Sekunden für eine Bahn und wenn ab und zu ein kleiner Sonnenschein aus dem Wasser steigt, zu mir herüber rennt und verstohlen mit seinen kleinen Händen nach meinen greift, sie einnmal drückt um dann wieder im kühlen Nass zu verschwinden, habe ich kein dringenderes Bedürfnis, als diesen Moment einzufrieren, mitzunehmen, zu teilen, zu verschenken;
das Glück weitergeben, das von einem Paar nasser Kinderhände tropft....
Für alle meine Freunde, Familie, Spender, Interessierte an ADRA und seinen Projekten und jeden, der sonst noch wissen möchte, wie es jemandem geht, der nach der Schule seine Koffer packt und elf Monate lang 10200 Kilometer von zu Hause entfernt in einem wunderschönen Projekt ein FSJ machen darf...
Was tue ich?
Die Kinder, die ich dort unterrichten und lieb haben darf, sind ehemalige Straßenkinder im Alter von drei bis sechzeh Jahren.
Als eine von insgesamt 17 Freiwilligen, die ADRA live dieses Jahr in verschiedene Länder entsendet, habe ich nun die Möglichkeit, von meinem Überfluss abzugeben und durch meine Zeit und meine Kraft das Projek zu unterstützen und mitzuhelfen, dass Menschen wieder hoffen können.
Montag, 15. September 2014
Glück
Man sollte sich mit dem Koch anfreunden...
Es war eine filmreife Szene. Wir betreten vorsichtig die neonlicht erleuchtete Küche. Unsere Papiertüte, die wir bei der zusammengefalteten Fahrt im Tricycle wie einen Schatz gehütet haben, unterm Arm stehen wir in der Tür. 2,49€ haben wir bezahlt- für Bananenchips, Toilettenpapier, eine Packung Tofu, Bananen, Taschentücher, Sojamilch und ich weiß nicht, was noch alles.
Dort am Küchentisch sitzt ein für hiesige Verhältnisse großer, breitschultriger Mann mit einem verschmitzen Grinsen im Gesicht. Er bietet uns an, aus einem mindestens einen Meter durchmessenden Topf, voll dampfendem, blütenweißen Reis, zu schöpfen. Dazu stehe ein großer Teller Gemüse bereit.
Kuya Flo sei sein Name und während wir essen und scherzen, lachen und uns, soweit möglich unterhalten, entsteht in diesem Halbdunkel vor meinem geistigen Auge die Illusion eines gutmütig lächelnden Maorikoches, der auf seinen Kochtöpfen auch mal einen flotten Sambarhythmus trommelt, der pfeifend in seinen gemaserten Holzschüsseln geheime, mit viel Humor gewürzte Saucen anrührt...Der beim Widerschein des Feuers, der sich in seinen Lachfalten festhängt, von Runzel zu Runzel springt und sich schließlich in seinen Augen niederlässt, um dort, wen auch immer er beobachtet zu faszinieren, leise vor sich hinsummt. Die gute Seele in der Küche...
(Anmerkung: er ist wirklich Gold wert!! Seitdem er weiß, dass wir Vegetarier sind, macht er sich die Mühe und zaubert jeden Tag einen extra Teller für uns beide...und auch wenn überdurchschnittlich oft Omelette dabei herauskommt, hat er dabei schon oft kreative Höhenflüge gezeigt...das beste, was wir aus seiner Kelle gegessen haben war zweifelsohne ein Salat mit Mangos und Erdnussbutter angemacht....)
Die Eimerdusche
Kopfüber tauche ich in den Eimer. In einer seltsamen Mischung aus stehen und hocken beuge ich mich vornüber, um meine Haare so weit wie möglich alle in dem Eimer unterzubringen und sie alle nass zu machen, ohne dabei meine Kleidung zu gefährden. Als ich begreife, dass ich nicht so weit eintauchen kann, dass auch mein Hinterkopf nass wird- weder im Knien, noch im Hocken, noch im Stehen- nehme ich die kleine Schöpfschüssel und leere sie über dem noch trockenen Hinterkopf aus. Doch diese Prozedur erweist sich für meine europäischen, hirsegestärkten Pferdehaare erneut als zu mühsam. Kurzerhand hebe ich den Eimer an und stülpe ihn mir von unten über den heruntergebeugten Kopf. Drehe den Eimer, drehe den Kopf und als ich nach einer Weile endlich mit Turban und fertig gewaschenen Haaren, wie ein stolzer Sieger aus der Dusche marschiere, verwünsch ich insgeheim mein Vorhaben, meine Haare das ganze Jahr wachsen zu lassen, außer ich bekomme Läuse. Und als sie bei der tropischen Luft nach acht Stunden immer noch nicht trocken sind, beginne ich zu überlegen, welches Kind wohl Läuse haben könnte... :-D
Der Tag der Ankunft
Ich sitze auf der Schaukel, die kaum vier handbreit über dem Boden hängt. Sie ist an einem Baum befestigt und die Ketten schneiden ihm ins Fleisch, sobald ich mich auch nur ein bisschen bewege. Weit hinter den Campusmauern, in denen ich jetzt elf Monate leben werde, ragen aus dem Dunst die Berge auf. Aber nicht meine blauen, mit Nadelwald überzogenen Alpen- es sind geheimnisvolle und unbestimmte Riesen, mit Umrissen, so schemenhaft, wie ein Schatten, deren Hänge mit Urwald bewachsen sind und die nachts seltsame Gerräusche von sich geben.
Meine Hände umfassen die Ketten etwas fester. Die Sonne bricht in einem ungewöhnlichen kupferfarbenen rot zwischen den Dunstschwaden hervor. Die feuchte Luft legt sich auf meine Haut, wie ein nasses Handtuch und die langsam aufkommende Abendbrise lässt die Blätter über mir leise flüstern. Ich schließe die Augen, will den Moment festhalten, aufehmen, sichern. Da höre ich das Getrappel vieler kleiner Füße, die durch das Gras geradewegs auf meinen Baum und meine Schaukel zurennen. "Teacher Melanie, teacher Melanie...!"...
Montag, 8. September 2014
Bald :-)
Ich sitze gerade im Office, also der Verwaltung der VOH-schule und kämpfe mit dem Internet. Es gelingt mir einfach nicht, die Verbindung davon zu überzeugen, meine Bilder in die große weite Welt hinauszuschicken. Deshalb nochmal der Hinweis auf meine Mitfreiwillige, die ich teilweise verlinkt habe. Der Lorenz hat wirklich wundervolle Bilder und der Johannes hat richtig gute Texte. Und das beste: die beiden haben Internet!! :-)
Also einfach mal dort vorbeischauen. Und wer die Möglichkeit hat, auf meinem Facebookprofil einfach mal reinschauen, da geht das Bilder hochladen nämlich seltsamerweise besser. Ich werde es aber auch hier immer wieder versuchen. Vielen Dank für die Geduld und ab nächster Woche, wenn wir hoffentlich endlich in unser Haus einziehen können und nicht mehr aus dem Koffer leben müssen und Eimerduschen, da kein fließed Wasser vorhanden, vollführen müssen, werde ich auch meinen Blog hier etwas ernster nehmen und regelmäßig Szenen aus dem Campusleben hier posten. Und wenn ich schon keine Bilder hochladen kann, dann will ich wenigstens versuchen mit Worten zu malen, mit der Sprache Bilder zu zaubern, denn Fotos kann man viele machen, aber das ganz persönliche Erleben kann man mit keinem Fotoapparat der Welt abbilden...
Eines noch vielleicht für heute: Wer hätte gedacht, dass man mit ein bisschen Handwäsche, (also ungefähr drei angesammelte Eimer voll) so viel Spaß haben kann, dass Regen (der jetzt grade hier runtergießt, und zwar wirklich!!! Deutscher Regen ist da eine Rasensprenganlage dagegen) so schnell kommen kann, dass man sich über ein Päckchen Haferflocken und ein Glas Erdnussbutter so freuen kann, und dass eine Plastikschöpfkelle und ein Eimer so ein wertvoller Besitz sein können, dass man mit zwanzig Personen in einem VW-Bus fahren kann, dass man in einer Woche mehr lernt, als in einem Monat zu Hause, dass man als Europäer einfach eine Nummer zu groß für die öffentlichen Verkehrsmittel, die Toiletten, die Stühle, die Decken und Waschbecken ist...und so regelmäßig der Vordermann die Knie in den Rücken bekommt, weil es einfach nicht anders geht!! Und wer hätte gedacht, dass ein Schlafsaal mit 20 Betten, mit Spülkästen, die man erst vollschöpfen muss, um dann zu spülen, mit schrecklich lärmenden Deckenventilatoren und tausender kleiner Miniameisen so schnell zu einem echten zu Hause werden würde...
Freitag, 29. August 2014
Tomorrow will be nothing like today...
Die erste Seite in meinem neuen Buch, das ich von zu Hause mitnehmen durfte, und das seit mehr als 24 in einem Lederbauchbeutel mit mir geht, beschreibe ich gerade am Flughafen in Dubai und es kommt mir vor, wie eine neue Seite, ein neues Kapitel, ja vielleicht ein ganz neues Buch meines Lebens.
Aber schon jetzt spüre ich, wie richtig und perfekt, wie gut und passend sich dieses neue Leben anfühlt. Es pulsiert durch meine Adern, es umschließt mich ganz und lässt keinen Platz für traurige und besorgte Gedanken. So viele Gedanken schießen mir durch den Kopf, jetzt um fünf vor Mitternacht, bzw fünf vor zwei. Was ist Zeit? Welcher Tag ist der richtige, der Gültige? Schon am Flughafen in München eröffnete sich eine ganz neue Welt gleich nach der Sicherheitskontrolle. Die strahlend weiß gekachelten Toilette, bei denen man sich fühlt, als betrete man den hell erleuchteten Himmel, sind von komplett schwarz verschleierten Muslimas bevölkert, was die ganze Szene unwirklich, geheimnisvoll und bizarr aussehen lässt und schon jetzt denke ich mir, wie soll ich alles das aufschreiben?
Die unvergleichliche Art eines meiner Mitfreiwillgen, wildfremden Leuten Studentenfutter anzudrehen und dabei noch sympathisch und ehrlich nett rüberzukommen, der letzte Blick zurück auf meine Eltern, den herzzerreißenden Abschied von meiner Oma, die Securitymänner, von denen man nie weiß, ob sie einen nicht grade mit ihrem Nacktscanner durchleuchtet haben und deshalb so grinsen- alle diese Eindrücke und Gedanken sollen doch nicht verloren gehen!!
Genauso, wie der Steward, der einem guten Freund wie aus dem Gesicht geschnitten sieht und sich deshalb den ganzen Flug lang meine neugierigen Blicke gefallen lassen musste, der Sonnenuntergang, der den gesamten Flügel unter mir in ein zartes rosa getaucht hat und die Ränder mit Gold angehaucht hat- mein Gehirn wird nicht reichen, um alles zu behalten!! Und dann Dubai- eine andere Welt, vielleicht sogar ein anderer Planet. Die Gateways mit Teppich ausgekleidet, um unnötigen Lärm zu vermeiden, die Lichter, die silbernen Aufzüge und Wasserfälle, die glitzernden Waschbecken und Goldfische in der Mitte des Terminals und mitten drin Johannes und ich, die ein Wettrennen gegen die Thrombose veranstalten... Und dann der Willkommensslogan, (als ich mich von meiner reizenden fünfjährigen Sitznachbarin verabschiedet hatte), als ich aus dem Flugzeugtunnel stieg und der an der Wand allen Neuankömmlingen bedeutungsschwanger mitgibt: Tomorrow will be nothing like today...
und so war es auch...und so sitze ich hier, nach einem gefühlt ewig langen Flug dem Sonnenaufgang entgegen und habe schon alle Gesundheitsregeln gebrochen, und in den wenigen Stunden in Manila so viel gesehen-vom tropisch heißen Regen der uns empfing bis hin zu Restaurantsecurity die einen mit dem Regenschirm von auto abholt, über die ersten Schaben, unfassbare Stromleitungen und der Frage nach der philippinischen Vorfahrt (wer zuerst kommt fährt zuerst) dass ich jetzt schon über glücklich bin hier zu sein. Mit (entgegen aller Erwartungen einem Bett, einer Dusche UND Internet) allem was man braucht und Gott als Expeditionsleiter muss ich sagen: tomorrow will be nothing like today...
Pictures to follow...
Donnerstag, 28. August 2014
Packing up the dreams...
In quasi sechs Minuten ist Abfahrt. Abfahrt zum Flughafen. Mein erster Flug- ich bin sehr aufgeregt und nach dem teils stressigen, teils amüsanten Kofferpackstress gestern abend (und jaa auch ein bisschen heute morgen) will ich einfach nur noch losmachen. Alle Erwartungen, alle Befürchtungen, alle aufgestauten Bilder im Kopf, alle Abschiedsbriefe, alle guten Wünsche und alle Träume haben nur auf diesen Moment gewartet, den Moment, in dem alles beginnt...
Ich habe ein Lied zum Abschied bekommen, das mich mehr als einmal zum weinen gebracht hat: Friends are friends forever von Michael W. Smith.... Nachdem ich also meine Träume jetzt eingepackt habe, und weiß, dass meine Freunde, Freunde für immer bleiben werden, ist es jetzt Zeit. Zeit zu gehen, Zeit loszufliegen, Zeit zu leben!