Was tue ich?

Ich darf, beginnend vom 01.09.2014 elf Monate lang an der Visions of Hope Christian School “Rose of Sharon” auf den Philippinen ein Freiwilliges Soziales Jahr machen.
Die Kinder, die ich dort unterrichten und lieb haben darf, sind ehemalige Straßenkinder im Alter von drei bis sechzeh Jahren.
Als eine von insgesamt 17 Freiwilligen, die ADRA live dieses Jahr in verschiedene Länder entsendet, habe ich nun die Möglichkeit, von meinem Überfluss abzugeben und durch meine Zeit und meine Kraft das Projek zu unterstützen und mitzuhelfen, dass Menschen wieder hoffen können.

Montag, 15. September 2014

Die Eimerdusche

Kopfüber tauche ich in den Eimer. In einer seltsamen Mischung aus stehen und hocken beuge ich mich vornüber, um meine Haare so weit wie möglich alle in dem Eimer unterzubringen und sie alle nass zu machen, ohne dabei meine Kleidung zu gefährden. Als ich begreife, dass ich nicht so weit eintauchen kann, dass auch mein Hinterkopf nass wird- weder im Knien, noch im Hocken, noch im Stehen- nehme ich die kleine Schöpfschüssel und leere sie über dem noch trockenen Hinterkopf aus. Doch diese Prozedur erweist sich für meine europäischen, hirsegestärkten Pferdehaare erneut als zu mühsam. Kurzerhand hebe ich den Eimer an und stülpe ihn mir von unten über den heruntergebeugten Kopf. Drehe den Eimer, drehe den Kopf und als ich nach einer Weile endlich mit Turban und fertig gewaschenen Haaren, wie ein stolzer Sieger aus der Dusche marschiere, verwünsch ich insgeheim mein Vorhaben, meine Haare das ganze Jahr wachsen zu lassen, außer ich bekomme Läuse. Und als sie bei der tropischen Luft nach acht Stunden immer noch nicht trocken sind, beginne ich zu überlegen, welches Kind wohl Läuse haben könnte... :-D

Der Tag der Ankunft

Ich sitze auf der Schaukel, die kaum vier handbreit über dem Boden hängt. Sie ist an einem Baum befestigt und die Ketten schneiden ihm ins Fleisch, sobald ich mich auch nur ein bisschen bewege. Weit hinter den Campusmauern, in denen ich jetzt elf Monate leben werde, ragen aus dem Dunst die Berge auf. Aber nicht meine blauen, mit Nadelwald überzogenen  Alpen- es sind geheimnisvolle und unbestimmte Riesen, mit Umrissen, so schemenhaft, wie ein Schatten, deren Hänge mit Urwald bewachsen sind und die nachts seltsame Gerräusche von sich geben.
Meine Hände umfassen die Ketten etwas fester. Die Sonne bricht in einem ungewöhnlichen kupferfarbenen rot zwischen den Dunstschwaden hervor. Die feuchte Luft legt sich auf meine Haut, wie ein nasses Handtuch und die langsam aufkommende Abendbrise lässt die Blätter über mir leise flüstern. Ich schließe die Augen, will den Moment festhalten, aufehmen, sichern. Da höre ich das Getrappel vieler kleiner Füße, die durch das Gras geradewegs auf meinen Baum und meine Schaukel zurennen. "Teacher Melanie, teacher Melanie...!"...

Montag, 8. September 2014

Bald :-)

Ich sitze gerade im Office, also der Verwaltung der VOH-schule und kämpfe mit dem Internet. Es gelingt mir einfach nicht, die Verbindung davon zu überzeugen, meine Bilder in die große weite Welt hinauszuschicken. Deshalb nochmal der Hinweis auf meine Mitfreiwillige, die ich teilweise verlinkt habe. Der Lorenz hat wirklich wundervolle Bilder und der Johannes hat richtig gute Texte. Und das beste: die beiden haben Internet!! :-)

Also einfach mal dort vorbeischauen. Und wer die Möglichkeit hat, auf meinem Facebookprofil einfach mal reinschauen, da geht das Bilder hochladen nämlich seltsamerweise besser. Ich werde es aber auch hier immer wieder versuchen. Vielen Dank für die Geduld und ab nächster Woche, wenn wir hoffentlich endlich in unser Haus einziehen können und nicht mehr aus dem Koffer leben müssen und Eimerduschen, da kein fließed Wasser vorhanden, vollführen müssen, werde ich auch meinen Blog hier etwas ernster nehmen und regelmäßig Szenen aus dem Campusleben hier posten. Und wenn ich schon keine Bilder hochladen kann, dann will ich wenigstens versuchen mit Worten zu malen, mit der Sprache Bilder zu zaubern, denn Fotos kann man viele machen, aber das ganz persönliche Erleben kann man mit keinem Fotoapparat der Welt abbilden...

Eines noch vielleicht für heute: Wer hätte gedacht, dass man mit ein bisschen Handwäsche, (also ungefähr drei angesammelte Eimer voll) so viel Spaß haben kann, dass Regen (der jetzt grade hier runtergießt, und zwar wirklich!!! Deutscher Regen ist da eine Rasensprenganlage dagegen) so schnell kommen kann, dass man sich über ein Päckchen Haferflocken und ein Glas Erdnussbutter so freuen kann, und dass eine Plastikschöpfkelle und ein Eimer so ein wertvoller Besitz sein können, dass man mit zwanzig Personen in einem VW-Bus fahren kann, dass man in einer Woche mehr lernt, als in einem Monat zu Hause, dass man als Europäer einfach eine Nummer zu groß für die öffentlichen Verkehrsmittel, die Toiletten, die Stühle, die Decken und Waschbecken ist...und so regelmäßig der Vordermann die Knie in den Rücken bekommt, weil es einfach nicht anders geht!! Und wer hätte gedacht, dass ein Schlafsaal mit 20 Betten, mit Spülkästen, die man erst vollschöpfen muss, um dann zu spülen, mit schrecklich lärmenden Deckenventilatoren und tausender kleiner Miniameisen so schnell zu einem echten zu Hause werden würde...

Freitag, 29. August 2014

Tomorrow will be nothing like today...

Die erste Seite in meinem neuen Buch, das ich von zu Hause mitnehmen durfte, und das seit mehr als 24 in einem Lederbauchbeutel mit mir geht, beschreibe ich gerade am Flughafen in Dubai und es kommt mir vor, wie eine neue Seite, ein neues Kapitel, ja vielleicht ein ganz neues Buch meines Lebens.
Aber schon jetzt spüre ich, wie richtig und perfekt, wie gut und passend sich dieses neue Leben anfühlt. Es pulsiert durch meine Adern, es umschließt mich ganz und lässt keinen Platz für traurige und besorgte Gedanken. So viele Gedanken schießen mir durch den Kopf, jetzt um fünf vor Mitternacht, bzw fünf vor zwei. Was ist Zeit? Welcher Tag ist der richtige, der Gültige? Schon am Flughafen in München eröffnete sich eine ganz neue Welt gleich nach der Sicherheitskontrolle. Die strahlend weiß gekachelten Toilette, bei denen man sich fühlt, als betrete man den hell erleuchteten Himmel, sind von komplett schwarz verschleierten Muslimas bevölkert, was die ganze Szene unwirklich, geheimnisvoll und bizarr aussehen lässt und schon jetzt denke ich mir, wie soll ich alles das aufschreiben?
Die unvergleichliche Art eines meiner Mitfreiwillgen, wildfremden Leuten Studentenfutter anzudrehen und dabei noch sympathisch und ehrlich nett rüberzukommen, der letzte Blick zurück auf meine Eltern, den herzzerreißenden Abschied von meiner Oma, die Securitymänner, von denen man nie weiß, ob sie einen nicht grade mit ihrem Nacktscanner durchleuchtet haben und deshalb so grinsen- alle diese Eindrücke und Gedanken sollen doch nicht verloren gehen!!
Genauso, wie der Steward, der einem guten Freund wie aus dem Gesicht geschnitten sieht und sich deshalb den ganzen Flug lang meine neugierigen Blicke gefallen lassen musste, der Sonnenuntergang, der den gesamten Flügel unter mir in ein zartes rosa getaucht hat und die Ränder mit Gold angehaucht hat- mein Gehirn wird nicht reichen, um alles zu behalten!! Und dann Dubai- eine andere Welt, vielleicht sogar ein anderer Planet. Die Gateways mit Teppich ausgekleidet, um unnötigen Lärm zu vermeiden, die Lichter, die silbernen Aufzüge und Wasserfälle, die glitzernden Waschbecken und Goldfische in der Mitte des Terminals und mitten drin Johannes und ich, die ein Wettrennen gegen die Thrombose veranstalten... Und dann der Willkommensslogan, (als ich mich von meiner reizenden fünfjährigen Sitznachbarin verabschiedet hatte), als ich aus dem Flugzeugtunnel stieg und der an der Wand allen Neuankömmlingen bedeutungsschwanger mitgibt: Tomorrow will be nothing like today...
und so war es auch...und so sitze ich hier, nach einem gefühlt ewig langen Flug dem Sonnenaufgang entgegen und habe schon alle Gesundheitsregeln gebrochen, und in den wenigen Stunden in Manila so viel gesehen-vom tropisch heißen Regen der uns empfing bis hin zu Restaurantsecurity die einen mit dem Regenschirm von auto abholt, über die ersten Schaben, unfassbare Stromleitungen und der Frage nach der philippinischen Vorfahrt (wer zuerst kommt fährt zuerst) dass ich jetzt schon über glücklich bin hier zu sein. Mit (entgegen aller Erwartungen einem Bett, einer Dusche UND Internet) allem was man braucht und Gott als Expeditionsleiter muss ich sagen: tomorrow will be nothing like today...
Pictures to follow...

Donnerstag, 28. August 2014

Packing up the dreams...

11:24 und 56 Sekunden sagt meine Uhr im Wohnzimmer. Die Uhr, die mir seit ich klein war zuverlässig das Datum und die Außen- und Innentemperatur und natürlich die Uhrzeit angezeigt hat.
In quasi sechs Minuten ist Abfahrt. Abfahrt zum Flughafen. Mein erster Flug- ich bin sehr aufgeregt und nach dem teils stressigen, teils amüsanten Kofferpackstress gestern abend (und jaa auch ein bisschen heute morgen) will ich einfach nur noch losmachen. Alle Erwartungen, alle Befürchtungen, alle aufgestauten Bilder im Kopf, alle Abschiedsbriefe, alle guten Wünsche und alle Träume haben nur auf diesen Moment gewartet, den Moment, in dem alles beginnt...
Ich habe ein Lied zum Abschied bekommen, das mich mehr als einmal zum weinen gebracht hat: Friends are friends forever von Michael W. Smith.... Nachdem ich also meine Träume jetzt eingepackt habe, und weiß, dass meine Freunde, Freunde für immer bleiben werden, ist es jetzt Zeit. Zeit zu gehen, Zeit loszufliegen, Zeit zu leben!

Freitag, 25. Juli 2014

Musik wischt den Staub des Alltags von der Seele...

Noch im Schlafanzug, barfuß und mit verstrubbelten Haaren stehe ich vor ihm.
Dem Koffer.
Dem Koffer, der gestern bei meinem Benefizkonzert als Schatzkiste, als Geldkistchen, als Spendenbox gedient hat.
Mit zitternden Händen öffne ich den Reißverschluss der Vordertasche und beginne langsam einen Schein nach dem anderen herauszuziehen. Das bunte Papier raschelt zwischen meinen Fingern und ich bilde ordentliche Stapel. Noch einen und noch einen und noch einen Schein befördere ich ans frühe Tageslicht. Ich bin überwältigt, absolut erstaunt, grenzenlos dankbar!
Nachdem ich (mit Hilfe von Taschenrechner, Bleistift und viel Geduld für das Kupfer) fertig bin mit zählen, entwischt mir ein kleiner Freudenschrei!!
Mit Euer aller Hilfe durfte ich heute 890,22€ an Barspenden zur Bank tragen und sicher überweisen!!! Dabei ist noch nicht das Geld der mindestens 12 Paten eingerechnet, die ihr Geld lieber überweisen wollten!

Vielen herzlichen Dank an alle, die gestern zu meinem Benefizkonzert waren und gespendet haben!!
Es war ein wunderschöner Abend (hier auch noch mal ganz ganz lieben Dank an meine Mitkünstler- Ihr seid die Größten!!!) und mir hat es richtig Spaß gemacht das Ganze zu organisieren und letztendlich durchzuführen!
Danke danke danke!!! Jetzt kann es wirklich bald losgehen!!!

Donnerstag, 17. Juli 2014

Endlich da: Benefizkonzert!!!!

Es gibt große Neuigkeiten:

Frisch vom Ausreiseseminar zurückgekehrt, mit Koffern voller Bilder und Träumen, mit nützlichen Verhaltenstipps und Sicherheitshinweisen im Gepäck, bin ich glücklich, eine aufregende Bekanntmachung zu machen:

Am Donnerstag, den 24.07. um 19.00 Uhr in der Schulstraße 5 in Penzberg

darf ich mein Benefizkonzert stattfinden lassen, um Spenden für mein Projekt zu sammeln!! Ich freue mich über JEDEN, der kommt. Informationen über das Projekt und mein Patenschaftsprogramm gibt es dann dort und ich kann- mit der Planung beschäftigt- nur sagen, dass es sich wirklich lohnt!!

Also bis dann!!! :-)